Home
Biografie
Wirkungsstätten
Werke
Geschichten
Geburtsort
Geburtshaus
Brucknerorgel
ABC
AB-Kirchenchor
Bruckner-Bund
Kunstwerke
Wanderweg
Vierkanthöfe
Gästebuch
Forum
Links
     
  Ansfelden 1HörschingAnsfelden 2St. Florian 1Linz 1WindhaagKronstorf  
  SteyrSt. Florian 2EnnsLinz 2WienSt. Florian 3  
     

Windhaag

 
     
 

 
 

Windhaag bei Freistadt: Altes Schulhaus

 
     
  1841-1843:  
     

Am 3. Oktober 1841 trat der neue Schulgehilfe seinen Dienst an. Windhaag, am Flüsschen Maltsch und 721 m hoch gelegen, hatte damals etwa 35 Häuser und 200 Einwohner.

Der junge Bruckner benützte die Pferdeeisenbahn bis Freistadt. Von Freistadt fuhren damals Botengespanne zu den höher gelegenen Orten. Bei der Abzweigung nach Grünbach musste Bruckner zu Fuß weiter bergan mit all seinem Gepäck marschieren.

Er bezog Quartier bei seinem Vorgesetzten, dem Franz Seraph Fuchs (1787-1860), der schon seit 1822 hier Lehrer und Schulmeister war. Fuchs hatte anfangs auch die Mesnerdienste zu verrichten, war Organist und Kirchenchorleiter.

Im Wohnhaus des Schulmeisters in Windhaag 24 bekam er eine schmale Schlafstätte in einem Hausgang. Bruckner unterrichtete anfangs noch im alten Schulhaus. Ab Mai 1842 wurde der Schulbetrieb in das vom Stift St.Florian und der Herrschaft Freistadt gekaufte Haus Nr. 5 verlegt.

Bruckners nunmehriger Vorgesetzter gab seinem Gehilfen (derselbe musste vom Schulmeister aus dem eigenen Säckel bezahlt werden) zwölf Gulden Jahresgehalt, freie Kost und Quartier, wofür dieser den selbständigen Schul- und Kirchendienst zu versehen, sowie Feldarbeit je nach Bedarf zu leisten hatte.

Fuchs wiederum unterstand dem Pfarrer. Der Windhaager Pfarrer jener Tage war kein kleiner Landgeistlicher, sondern der angesehene Chorherr und Geistliche Rat Balthasar von Schwinghaimb.

Schulmeister Fuchs hatte in dieser kargen Gegend immer Mühe, die Schulkreuzer und Naturalien von der Bevölkerung zu bekommen.

Neben dem unzumutbaren Quartier war es auch die unwürdige Behandlung, die der damals noch empfindsame junge Mann erfuhr. Er war von Haus aus nicht verwöhnt, aber das Essen, welches seine Mutter trotz aller bescheidenen Lebensverhältnisse auf den Tisch gestellt hatte, war doch ganz was anderes.

Das schmale Mittagessen bestand meist aus einer Einbrennsuppe, Hirsebrei mit Kraut, manchmal auch Mohnnudeln. Nur zweimal in der Woche gab es Fleisch, erzählte der Meister selbst, nämlich am Sonntag Rindfleisch mit Kren, sonst Schweinernes mit Erdäpfel und Kraut. Als Nachtmahl „a Häferl dreimal aufg´wärmts Kraut, stöhnte er in Erinnerung an das mit den Dienstboten einzunehmende, für ihn immer zu wenig reichliche Essen.

Die Aufgaben eines Schulgehilfen kannte er vom Elternhaus in Ansfelden noch zur Genüge. Hier kam noch einiges dazu. Das Tag- Anläuten, im Sommer um vier Uhr früh, Mähen; den Wein holen für die Messe; dem Pfarrer das Messkleid anziehen helfen;

Ministrieren bei stillen Messen; die Orgel spielen bei Singmessen und die Sakristei wieder in Ordnung bringen.

Dann kam das Frühstück in Form einer Milch- oder Brennsuppe, das er gemeinsam mit der Dienstmagd aus einer Schüssel einzunehmen hatte.

In der zweiklassigen Volksschule mit insgesamt 71 Kindern hatte Bruckner die sogenannte „kleine Klasse“ zu unterrichten. Ein Teil der Kinder kam vormittags, der andere nachmittags.

Nach der Schule verordnete der Schulmeister die Feldarbeiten. Abends war noch Gebetsläuten und um 21 Uhr das „Hus-Ausläuten“, ein Brauch, der sich in dieser Gegend seit den Hussiteneinfällen erhalten hatte.

Die Kinder mochten den jungen Schulgehilfen sehr. Später sagte eine ehemalige Schülerin zu einem frühen Biographen: „Gestraft hat er nur wenig, dazu war er zu gutmütig.“

In der Sonntagsschule bereitete er den größeren Kindern Freude, wenn er von der Natur erzählte, von den Blumen und Tieren und dass die Erde eine Kugel sei. Er erklärte ihnen die Gezeiten, zeichnete einiges auf die Tafel und erzählte der staunenden Schar von den Erdteilen und den verschiedenen Menschenrassen. Das war nach den Schulvorschriften nicht erlaubt.

Es kam dann auch dem Schulmeister zu Ohren, der diese „Entgleisung“ scharf verurteilte. Fuchs kam nun öfters unversehens, um Bruckners Unterricht zu kontrollieren und er wurde angehalten, in seiner Freizeit dem Unterricht des Schulmeisters beizuwohnen. Fuchs Vorstellung war, durch Strenge und Unnahbarkeit erst richtig erziehen zu können.

Der junge Gehilfe wurde vor den Kindern gedemütigt an einem seitwärts stehenden Tischchen sitzen zu müssen und zuzuhören und Kielfedern als Schreibbehelfe spitzen zu müssen.

Obwohl der als geizig bekannte Schulmeister für die Landwirtschaft Aushilfen und eine Magd beschäftigte, war der neue Gehilfe nicht ausgenommen, fleißig Hand anzulegen.

Es hieß je nach Jahreszeit zu helfen, das Heu zu wenden,. Kartoffeln auszugraben und beim Dreschen und Ackern einzuspringen.

In dieser Situation und oftmaligen Einsamkeit war das Vertrauen auf Gott seine einzige Zuflucht.

Als einen wirklichen Trost empfand er „seine Musik“. Bruckner studierte die in Linz abgeschriebenen Notenhefte, besonders Bachs „Kunst der Fuge“.

Bruckners Orgelspiel erregte in Windhaag Aufsehen. Der Schulmeister fürchtete schon um das Instrument. Man sprach in Windhaag nicht vom Spielen, sondern vom Schlagen der Orgel. Mit seinen Orgelphantasien und den ungewohnten Liedbegleitungen brachte er manchmal die Gottesdienstgemeinde in Schwierigkeiten.

Bald kannte Bruckner in Windhaag alle Bewohner und wusste, in welchem Hause er als junger musikbegeisterter Mensch willkommen war. Am liebsten verkehrte er in der Familie des Webers Franz Sücka. Dort war er bald wie zu Hause. Er unterrichtete in der wenig freien Zeit die Sücka- Kinder Franz, Maria und Rosalia in Musik und bereitete Franz auch für die Aufnahmsprüfung an der Präparandie in Linz vor. Damit war er aber seinem Vorgesetzten Fuchs in die Quere gekommen.

Für seine Lehrtätigkeit bekam nun der Schulgehilfe bei Sücka täglich den damals üblichen Malzkaffee zum Frühstück, und er konnte auf die gemeinsame Morgensuppe mit der Magd des Schulmeisters verzichten. Mutter Zäzilia Sücka besorgte ihm sogar die Leibwäsche und hielt seine Kleider in Ordnung.

Bei den Sücka ging es abends öfter fidel zu. Der junge Sücka und Bruckner spielten Geige, der alte Sücka Trompete, dazu wurde getanzt.

Schulmeister Franz Fuchs hatte zuerst dem intelligenten und sehr musikalischen Franz Sücka, dessen Taufpate er war, Unterricht in Musik gegeben und die Vorbereitung für die Präparandie eingeleitet. Nun war er sehr verärgert, dass Bruckner dies hinter seinem Rücken übernommen hatte.

Vater Sücka war von der Hausmusik sehr angetan und erstand ein kleines Spinett, das nun auch Anton Bruckner benützen durfte, worüber er höchstes Glück empfand.

In seiner spärlichen Freizeit betätigte sich Bruckner auch kompositorisch. Er schrieb ein „Tantum ergo“ und eine Messe in C-Dur für eine konzertante Alt-Stimme, zwei Hörner und Orgel (Windhaager-Messe).

Er hatte sie der Altistin Maria Jobst, verehelichte Zeitlhofer (1815-1891) gewidmet, über deren schöne dunkle Stimme er ganz verklärt war.

Am Vorabend von Hochzeiten ging Bruckner mit seinen Freunden Sücka, Jobst und dem Arzt Dr. Bezei, der Flöte spielte, die „Kranzl-Tanz“ musizieren. Auch auf den Kirchweihfesten verschaffte er sich durch ein solches Aufspielen während der Nacht, wie sein Vater seinerzeit in Ansfelden, einen Nebenverdienst, den er für Essen und Notenpapier verwenden musste. Immerhin brachte ihm eine solche Nacht mehr Verdienst ein als die saure Tagesarbeit einer ganzen Woche.

Das Mühlviertel kannte um diese Zeit noch eine Besonderheit, nämlich die „Rocka- Roas“. Bei einer solchen trafen sich zur Faschingszeit die Mädchen jede Woche nachmittags in jeweils einem anderen Bauernhaus, um zu singen, an ihren Spinnrocken zu arbeiten und natürlich auch zu tratschen. Abends kamen die Burschen hinzu, und es wurde bis in die späte Nacht hindurch getanzt. Franz Sücka spielte erste Violine, Anton Bruckner zweite Violine und der alte Weber, Vater Sücka, Trompete. Dabei wurden sie gut bewirtet, und es gab obendrein für jeden 3 Zehner.

Mit dem kleinen Spinett, das Vater Sücka für die Musikausbildung seines Sohnes angeschafft hatte, komponierte Bruckner im Jahre 1842 ein vierstimmiges „Pange lingua in C-Dur“, das bei Segensandachten Verwendung fand.

Bruckner litt sehr darunter, vom Pfarrer und vom Schulmeister keinen freundlichen Blick oder ein anerkennendes, aufmunterndes Wort mehr zu bekommen. Sie beobachteten mit Argwohn seine Tätigkeiten.

Anläßlich eines Besuches des Herrn Propstes Michael Arneth in Windhaag fand es Pfarrer Schwinghaimb für notwendig darauf hinzuweisen, dass der Gehilfe nur fortwährend die Musik im Kopf habe. Diese Gelegenheit kam dem Schulmeister zurecht, dem Pfarrer tapfer beizustehen und auf vieles hinzuweisen, was ihm an Anton Bruckner ,missfiel.

Eines Tages erhielt der „Muckenfänger“, wie der Schulleiter den oft Traumverlorenen nur mehr nannte, den Auftrag, Mist zu führen. Diesmal brach der Freiheitsdrang des in instinktiv gefühlter Würde gegen die zugemutete Knechtsarbeit sich Stemmenden unwillig durch. Allsogleich erstattete Fuchs ob solcher Renitenz die Anzeige und alsbald musste sich der heißblütig Ungehorsame in St. Florian verantworten.

Bei Propst Arneth schüttete der Schulgehilfe sein Herz aus. Dieser veranlasste nun, Bruckner aus seiner unwürdigen Stellung zu befreien und verordnete eine Anstellung in das stiftsnahe Kronstorf, bis eine Stelle in der St. Florianer- Schule frei werde.

Schulmeister Fuchs stellte Anton Bruckner zum Abschied von Windhaag am 19. Jänner 1843 ein gutes Zeugnis aus.

Auch Pfarrer Schwinghaimb bekräftigte in seiner Zensur den besonderen Fleiß und Lerneifer des Schulgehilfen.