Virga jesse

 
 

 

 
 

Virga Jesse wurde 1868 im Rahmen einer Aufführung der f-Moll-Messe erstmalig gesungen.
Das innig beginnende Werk führt im weiteren Verlauf zu großartigen Steigerungen.

Der Text dieser Motette dient an Marienfesten der Osterzeit als Alleluja-Vers (anstelle des Graduale). In Bruckners Vertonung gehen formale Anlage und harmonisches Konzept in eins. Der stille Beginn läßt kaum ahnen, was in dieser Motette mit ihren Steigerungen, Kontrasten und harmonischen Kühnheiten auf den Hörer wartet. Die Harmonik durchschreitet auf sehr kurzen Wegen weite tonale Räume, die dynamische Skala umspannt alle Werte zwischen „ppp“ und „fff“. „Virga Jesse“ entstand am letzten Tag (3. September 1885) eines Ferienaufenthaltes in St. Florian, wiederum als Geschenk an den regens chori Ignaz Traumihler. Die Uraufführung dirigierte Bruckner am 8. Dezember 1885 (Fest der Immaculata) in der Wiener Hofkapelle; Hauptwerk des Festgottesdienstes war seine Messe f-Moll.

 
 

 

 
     
 

Virga Jesse floruit: Virgo Deum et hominem genuit:
pacem Deus reddidit, in se reconcilians ima summis.

 
     
 

Der junge Sproß aus Jesse ist aufgeblüht: Die junge Frau hat den Sohn, der Gott und Mensch ist, geboren:
Den Frieden hat Gott zurückgegeben, da er in sich das Tiefste mit dem Höchsten versöhnte.