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Die Ursprünge der Kirchenchormusik in Ansfelden

 
 

von

 
 

Konsulent Josef Fuchshuber

 
     
 

 
     
 

Wenn wir auch für den Ansfeldner Raum musikgeschichtliche Entwicklung nicht durch Jahrtausende verfolgen können, so gehen zumindest Chorgesang und Orgelspiel Jahrhunderte zurück.

Ein erster sicherer Nachweis für kirchenmusikalische Tätigkeiten begegnet uns in der ältesten Ansfeldner Kirchenrechnung, die erhalten ist. Sie stammt aus dem Jahr 1597. Dort heißt es, daß der Schulmeister als jährliche "Chorbesoldung" 2 Gulden und 2 Schillingpfennige erhalten hat. Diese Chorbesoldung findet sich von da an in den Kirchenrechnungen regelmäßig.

Ausdrücklich ist in der Gottesdienstordnung aus dem Jahre 1680 für die verschiedenen Prozessionen von den "Cantoribus", den "Sängern" die Rede. So sind die Sänger an der Prozession um die Pfarre - damals bis Nöstlbach, das zur Pfarre Ansfelden gehörte - am jeweiligen Pfingstdienstag beteiligt, natürlich bei der Fronleichnamsprozession, ebenso bei der Prozession, die am 24. Juni nach Ebelsberg und am Vitusfest nach Berg ging.

Später bilden die Kirchenrechnungen immer wieder den sicheren Hinweis auf den Kirchenchor mit den Sängern. Außer den Prozessionen sind in der alten Gottesdienstordnung an allen höheren Festen "vesperae cantatae", also gesungene Vespern, erwähnt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ist in den Verkündbüchern nicht mehr von einer gesungenen Vesper die Rede, sondern von  der "musikalischen Litanei", die an Festtagen am Nachmittag am und vom Kirchenchor aufgeführt wurde. Es konnte nicht festgestellt werden, wann die Gestaltung der Gottesdienste durch die Einführung der polyphonen "Lateinischen Hochämter" einsetzte.

Leiter des Ansfeldner Kirchenchores waren zumindest seit dem Ende des 16. Jahrhunderts die Schulmeister, die auch sonst in den Diensten der Pfarre standen. Ein erster namentlich bekannter Schulmeister von Ansfelden mit dem Namen Philipp Papst ist 1598 genannt. In den Kirchenrechnungen der Jahre 1598 und 1599 sind jeweils 2 Gulden 60 Pfennig ausgewiesen, die diese "Chorbesoldung" erhalten hat. Die weiteren Schulleiter waren Georg Bayer, Kaspar Heinrich, Michael Bersaider, David Vitzthumb, Johann Leeb, Wolfgang Lebersorg, um nur einige Namen zu nennen - bis hin zu Sebastian Kletzer, auf den der Großvater Anton Bruckners, Joseph Bruckner (1749 - 1831), folgte. Sie alle können ebenfalls als Chorleiter angesprochen werden.

Eine mündliche Überlieferung, wonach die Ursprünge des Kirchenchores nur bis zum Jahre 1824 zurückgingen und der Vater von Anton Bruckner, Anton Bruckner sen. (1791 - 1837), der 1. Chorleiter gewesen sei, ist nicht stichhältig. Das stark eingeprägte Geburtsjahr Anton Bruckners (1824) hat vielleicht solche Angaben bewirkt. Wenn schon der bereits genannte Großvater Joseph Bruckner im Jahre 1810  31 Gulden für den Chordienst von der Kirche erhielt, ist er damit eindeutig auch als Chorleiter ausgewiesen.

Der Schulleiter Ferdinand Albrecht, der von 1876 bis 1901 in Ansfelden den Chor leitete, verfaßte für den Kirchenchor eigene Kompositionen. Wie aus Notizen im Pfarrarchiv Ansfelden zu entnehmen ist, erhielt der Chorleiter Ferdinand Albrecht Anerkennungen sowohl von Anton Bruckner wie vom damaligen Regens chori von St. Florian, dem Augustiner Chorherrn Ignaz Traunmüller.

Jeder Schulleiter der Volksschule Ansfelden war bis einschließlich Karl Angerer sowohl Organist wie auch Chorleiter. Eine besondere historische Quelle für die Aufführungsleistungen der Chormusik stellen zwei erhaltene "Kirchenmusikalische Wochenbücher" dar. Das ältere davon wurde von 1907 bis 1916 geführt. Darin sollten - so heißt es wortwörtlich in den Anweisungen über die Führung des Buches - die "... an jedem Sonn- und Festtag zur Aufführung gebrachten Kompositionen (Asperges, Messe, Graduale, Offertorium, Tantum ergo. eventuell Litanei, Vesper, Te Deum, Requiem und Libera) mit Angabe des Komponisten (Opus, Tonart) und beim Graduale und Offertorium mit Beifügung der ersten Worte des Textes" aufs genaueste eingetragen werden.

Auch aus der Zeit des Oberlehrers Angerer ist ein "Kirchenmusikalisches Wochenbuch" im Pfarrarchiv vorhanden, das Einblick in die Leistungen des Kirchenchors von 1917 bis 1933 gibt. Nicht nur an jedem Feiertag, auch an jedem Sonntag wurde damals "beim Amt" eine lateinische Messe gesungen. Eine Ausnahme bildeten nur die fünf Fastensonntage.

Von folgenden Kompositionen wurden Messen und andere kirchenmusikalische Werke aufgeführt: J. Haydn, J. Gruber, J. Habert, F. Schöpf, J. G. Zangerl, J. Reimann, R. Führer, M. Filke, R. Kempter, F. Blasl, B. Roider, J. Becher, J. Linner, G. Preuer. Gelegentlich kamen noch andere Kompositionen zur Aufführung, darunter auch Werke vom einstigen Oberlehrer Ferdinand Albrecht.

Es fällt in dieser genau angelegten Niederschrift aller einzelnen Aufführungen auf, daß entgegen mündlichen Schilderungen, Karl Angerer hätte mit seinem Kirchenchor auch "Bruckner-Messen" aufgeführt, in diesen Aufzeichnungen nur eine einzige "Bruckner-Messe" aufscheint. Sie wurde am 8. Dezember 1928 aufgeführt.

Eine weitere Aufgabe für den damaligen Kirchenchor stellten die Nachmittagsandachten dar. An allen Festtagen des Kirchenjahres einschließlich der jeweils zweiten Feiertage wie Ostermontag usw. wurde bei der nachmittäglichen "Segensandacht" eine lateinische Litanei vom Kirchenchor gesungen. Aus den angeführten Aufzeichnungen von Oberlehrer Karl Angerer geht auch hervor, daß damals der Kirchenchor Ansfelden jährlich im Juni auch den Festgottesdienst zum Patroziniumsfest in Berg gestaltete.

Oberlehrer Karl Angerer ging als Schulleiter im Jahre 1930 in Pension, behielt jedoch die Chorleiterstelle bis zu seinem Tode im Jahr 1935 bei. Dann übernahm sein Sohn, Lehrer Karl Angerer jun., den Organisten- und wohl auch den Chorleiterdienst. Im Jahre 1939 mußten alle Lehrer-Organisten ihren Organistendienst zurücklegen, damit auch Karl Angerer. Es folgte daher als Organistin die Schwester von Lehrer Angerer, Maria Angerer. Lehrer Karl Angerer fiel im Zweiten Weltkrieg. Eine weitere Organistin war Helene Holzner, die nach dem 2. Weltkrieg neben Frau Maria Angerer tätig war. Sie spielte die Orgel bei Festgottesdiensten, die lateinischen Messen auch bei Roraten, Hochzeiten und Trauergottesdiensten.

Die Instrumentalmusik im Ansfeldner Kirchenchor

Daß es am Ansfeldner Kirchenchor nicht nur Gesang gab, sondern zumindest im 18. Jahrhundert auch Instrumentalmusik, belegen Hinweise in den Martrikelbüchern und anderen Aufzeichnungen. Ging es auch um noch so bescheidene Instrumente, die Aufführung von ebensolchen bei den Schulmeistern erlaubt den Hinweis, daß von jedem Schulmeister und Chorleiter in irgendeiner Form schon immer Musik betrieben und sehr wahrscheinlich zur Verschönerung des Gottesdienstes eingesetzt worden war. Unterricht in Musik war daher schon frühzeitig eine den Chorleiter interessierende Aufgabe. Schriftliche Hinweise darauf begegnen uns in Ansfelden freilich erst im 19. Jahrhundert. Wofür wären die in der Folgezeit in den Kirchenrechnungen immer wieder bezeugten Musikinstrumente verwendet worden, und wer hätte Musikanten ausgebildet, als eben die Schulmeister, die von vornherein immer zum Orgelspiel verpflichtet waren und damit die besten Voraussetzungen für Musikunterricht besaßen?

Wenn der Schulmeister eine Geige besaß, läßt das vermuten, daß er sie nicht nur für sich alleine benutzte. Wenn hier eine Geige erwähnt wird und schon früher von einem Geigenspieler die Rede war, darf angenommen werden, daß das Instrument auch am Kirchenchor bereits Verwendung fand. Bei den Vorgängern der späteren "musikalischen Litanei" (an den Nachmittagen), den bereits erwähnten "vesperae cantatae" (gesungene Vespern), ist der Einsatz der Geige neben der Orgel als möglich anzusehen. In allen Kirchenrechnungen etwa ab 1830 scheinen jährlich für den Chor Ausgaben in der Höhe von etwa 8 Gulden unter dem Titel "Chorsaiten und Kerzen" auf. Da der Schulmeister ja Orgel spielte, konnte der Saitenverbrauch am Kirchenchor also nur von anderen Violinspielern stammen. Hinweise auf andere Instrumente wie Pauken, Flöten, Trompeten, Posaunen, Waldhörnern, Klarinetten und Bombardon können weder den Kirchenrechnungen sowie dem Verkündbuch entnommen werden.

Es besteht kein Zweifel, daß der Einsatz dieser "Kirchenmusiker" wiederholt auch bei "weltlichen" Anlässen erfolgte, sodaß aus der starken Bindung an den Kirchenchor die Musik in kleinen oder größeren Gruppen von Musikern in Ansfelden letztendlich hervorging.