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St. Florian

 
     
 

 
     
  1845-1855:  
     

Mit glänzenden Zeugnissen vom Kronstorfer Pfarrer Alois Knauer und vom Schulmeister Franz Seraph Lehofer kam Bruckner am 25. September 1845 nach St. Florian.

In der Pfarrschule wurde er für das zweite große Lehrzimmer eingeteilt. Als Unterlehrer bekam er nun 36 Gulden neben freier Kost und Wohnung. Bruckner bezog wieder Quartier bei der ihm wohlvertrauten Familie Bogner. Die Kinder der Familie behandelten ihn wie einen großen Bruder.

Der 21jährige Bruckner erwarb sich auch hier bald die Liebe der ihm anvertrauten Schüler. Ihm wurde außerdem nun die Ausbildung der drei
Sängerknaben anvertraut, die er neben dem Gesangsunterricht auch im Violinespiel zu unterweisen hatte.

Hans Schläger, den nun Bruckner als Lehrer abgelöst hatte, dankte er mit der Widmung des Männerchores „Das Lied vom deutschen Vaterland“. Dieses Werk zeigt schon ausgeprägtere dramatische Steigerungen.

Täglich widmete sich Bruckner zwei Stunden seinem Lieblingsinstrument, der Orgel. Er übte auf der Seitenorgel die Werke J. S. Bachs und versuchte sich in der freien Improvisation. Der Stiftsorganist Anton Kattinger lauschte öfter seinem Spiel und sagte einmal zu einem Chorherrn. „Dieser Bruckner wird einmal mein würdiger Nachfolger“.

Auch in der Florianer Zeit ging Bruckner noch manchmal zu Zenetti nach Enns. Für die Stunden im Kontrapunkt, „dem wichtigsten Standpunkt des Lebens“, wie der Meister später einmal schrieb, suchte er dessen Rat.

Prägenden Einfluss auf das Schaffen Bruckners in dieser Zeit machten die Besuche der großen Aufführungen des „Linzer Musikvereins“. Besonders tief empfand er die Musik Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809-1847). Sein 1835 in Linz aufgeführtes Oratorium „Paulus“ nahm er schwärmerisch auf.

Neben dem Bereich der Liturgie schuf Bruckner einige kleinere Werke, die aber nur die Prägung von kurzfristigen Gelegenheitsarbeiten erkennen lassen.

In dieser Zeit entstanden mehrere Studienkompositionen, zwei „Asperges me“, fünf „Tantum ergo“ meist für gemischte à-cappella-Chöre für den Messdienst und ein „Vorspiel und Fuge in C-Moll“ für die Orgel.

Die Studien für seinen Lieblingsgegenstand Physik setzte er in dieser Florianer Zeit weiter fort. Ebenso die in Windhaag begonnene für die lateinische Sprache. Dabei stand ihm der Novize Josef Rohm zur Seite. Sein Wissensdurst und Lerneifer waren unstillbar. Das Grundwissen der lateinischen Sprache in Hinblick auf die liturgischen Texte, Psalmen und Hymnen auszubauen, war ihm besonders wichtig auch in der Sicht auf die vokale Ausprägung.

Im nahen Tillysburg gab er den zwei jungen Grafen O´ Hegerty Privatunterricht. Anton Bruckner war dort gern gesehener Gast auch bei Tanz und gepflegter Küche.

Dabei machte er sich besonders beliebt durch das von ihm zusammengestellte Männerquartett, das sich in den Pausen der Tanzabende darstellte. Bruckners Lehrerkollege Ludwig Ehrenecker hatte eine besonders schöne Tenorstimme, der Stiftsbeamte Franz Schäfler sang den zweiten Tenor, Bruckner selbst den ersten Baß und der Gärtner des Stiftes, Johann Nepomuk Hueber, den zweiten Baß. Für diesen Chor schrieb er das „Ständchen“ für Tenor und drei Brummstimmen, das der Frau des Bürgermeisters von St. Florian, namens Schlager, gewidmet wurde. Das Quartett zerfiel leider. Bruckners Freund Hueber widmete sich Antons Schwester Rosalia, die von Ebelsberg nach St. Florian zum Steuerbeamten Werner kam und als Köchin diente. Als Johann Nepomuk Hueber die Stadtgärtnerstelle in Vöcklabruck, einer dem Stift inkorporierten Pfarre, erhielt, heiratete er die mehr der Mutter ähnliche ,energische „Sali“, wie Bruckner seine Schwester liebevoll nannte.

Bruckner sehnte sich auch nach einer Verbindung. Er warf immer öfter ein Auge auf die heranwachsende ältere Tochter seines Quartiergebers, der Aloisia Bogner. Der Liebreiz der Sechzehnjährigen nahm ihn immer mehr gefangen. Er verehrte ihr besonders sorgfältig abgeschriebene Volkslieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung und auch einige kleine Tänze. Seinem Biographen Göllerich gegenüber erwähnte er :“ Das Fräulein Luise Bogner war meine erste richtige Flamme“.

Ob Zufall oder Liebesschmerz zur Vertonung des Gedichtes „Entsagen“ führten, ist kaum feststellbar. Das sehr feinfühlige, nach der Choralform gehaltene Werk, widmete er dem Propst Michael Arneth zu dessen Namensfest.

Der Hofschreiber des Stiftes St. Florian Franz Seiler (Sailer) hegte für Anton Bruckner eine versteckte Verantwortung. Als Musikenthusiast beobachtete er mit Genugtuung dessen Fortschritte. Seiler kannte die Familie Bruckner schon lange. Er war Gerichtsaktuar bei der Verlassenschaftsverhandlung in Ansfelden gewesen. Damals bemühte er sich, das schwere Los der Witwe Bruckner halbwegs erträglich zu machen. Franz Seiler wurde sogar Firmpate von Ignaz Bruckner, Antons jüngerem Bruder.

Anläßlich eines Besuches bei einer Gewerbeausstellung in Linz erwarb Seiler einen dort ausgestellten Bösendorfer-Flügel „neuester Konstruktion“. Die Pedalmechanik wurde damals neu entwickelt. Franz Seiler stellte den Flügel Anton Bruckner zur Verfügung. Der junge Mann war überglücklich, ein so schönes und klangvolles Instrument spielen zu dürfen. Eines Tages entrang sich ihm der Stoßseufzer. „Ein solches Klavier sollt´ man sich halt leisten können.“ Seiler registrierte dies mit einem hintergründigen Lächeln.

Als der Hofschreiber am 13. September 1848 mit 48 Jahren unerwartet starb, erbte Bruckner dessen Flügel. Er blieb Bruckners Instrument sein Leben lang. Auf und mit ihm entstanden die grandiosen Motive seiner Symphonien, das Te Deum und die großen Messen. Noch wenige Stunden vor seinem Tode saß er an diesem Instrument, um am Finale der IX. Symphonie zu arbeiten.

Heute steht der Flügel im Bruckner-Zimmer des Stiftes St. Florian. Wie er, der Meister, ist auch „sein Instrument“ zum Ausgangspunkt zurückgekehrt.

Franz Seilers Tod ging Bruckner sehr nahe. Zum Andenken an ihn und als Dankerweisung schrieb er für ihn das Requiem in D-Moll, das als eines der reifsten Werke des jungen Musikers bezeichnet wird. Im Gesamtschaffen Bruckners ist dieses Requiem in D-Moll die erste wirklich große Komposition. Er wagte schon die Besetzung mit großem gemischten Chor und Solostimmen, einem Streichquintett, drei Posaunen, Horn und Orgel.

Am Todestag Seilers, ein Jahr später, am 13. September 1849, wurde das Requiem in der Stiftskirche mit der großen Orgel uraufgeführt. Eine Ausnahme, da nur zum Ableben eines Propstes bei einem solchen Anlaß die Chrismann-Orgel gespielt werden durfte.

Im hohen Alter, 1894, hat Bruckner selbst noch das Werk durchgesehen und betont, dass er es als sein wichtigstes Jugendwerk ansehe.

Nach dem Rücktritt Kaiser Ferdinands wurde der erst 18jährige Franz Joseph (1830-1916) Kaiser von Österreich.

Anton Bruckner schätzte diesen Monarchen sein Leben lang. Er wurde der „Organist des Kaisers“ in späteren Jahren. Er sah das Gottgnadentum des Herrschers aus religiöser Sicht, als Zeichen der Auserwählung und litt sichtlich unter den Schicksalsschlägen , die der Kaiser erleben musste.

Für Bruckner brachte diese Umbruchsperiode insoweit eine große Veränderung, als die Patrimonialgerichte aufgehoben wurden. Anton Kattinger, Beamter dieses Gerichts und Stiftsorganist, wurde zum kaiserlichen Steuerbeamten ernannt und nach Kremsmünster versetzt.

Propst Michael Arneth berief Anton Bruckner vorerst zum provisorischen und ab 1851 zum definitiven Stiftsorganisten mit einem Jahresgehalt von 80 Gulden bei freier Kost und Wohnung im Stift. Daneben verdiente er noch 36 Gulden pro Jahr als Unterlehrer. Im sogenannten Neustöckl wies man ihm eine Wohnung zu.

Nach dem Tode seines Freundes und Förderers Seiler hatte er an dem Regens-Chori des Stiftes, dem Chorherrn Ignaz Traumihler (1825-1884), einen wohlwollenden Förderer gefunden.

Dem Spiel auf der Orgel, die er liebevoll „Chrismannin“ nannte, konnte er nun frei, seinen Eingebungen folgend, nachgehen. An der Orgel wuchs und reifte er auch innerlich.

Bruckner war in St. Florian ein gesuchter Musiklehrer. Im Hause des neuen Bezirksrichters und Notars Josef Marböck gab er dessen drei Kindern

Klavierunterricht. Für die begeisterten Schüler schrieb er drei kleine Vortragsstücke.

Ein Orgelwettspiel in St.Florian führte den wegen seiner Improvisationskunst gerühmten Organisten Johann Bap. Weiß, den nun in Kremsmünster tätigen Anton Kattinger und Bruckner zusammen. Nach dem Urteil der Zuhörer war das Spiel von Weiß am besten. Bruckners Darbietung war für sein Alter außergewöhnlich, aber es fehlten kontrapunktische Feinheiten, die bei Weiß und Kattinger natürlich ausgeprägter waren.

Als 1850 eine neue Verordnung den verbesserten zweijährigen Präperandenkurs ermöglichte, unterzog sich Bruckner als Externer einer Prüfung über Realschulgegenstände und wurde in Geographie, Geschichte, Deutscher Sprachlehre, Mathematik und Geometrie, Naturlehre, Naturgeschichte und Schönschreiben mit den Noten „Sehr gut“ in allen Fächern beurteilt. Den Chorherren Paulitsch und Eigner war er für die Unterstützung beim Studium sehr dankbar. Weitere Prüfungen für Technologie, Physik und Arithmetik legte er 1851 ab. Alle Zeugnisse hat er sorgfältig aufbewahrt.

Mit großer Bestürzung las Bruckner die Nachricht aus Hörsching, dass sein Vetter Johann Baptist Weiß Selbstmord verübt habe. Man hatte ihn verdächtigt, die ihm anvertraute Kasse nicht ordentlich verwaltet zu haben. Nach der für alle unbegreiflichen Tat, stellte sich der Irrtum heraus. Weiß nahm sich die Beschuldigung so zu Herzen, dass er nicht mehr leben wollte. Bruckner hat dieses Geschehen geradezu schockiert.

Dazu kam in dieser Zeit, dass sich das viele Studieren , das starke Konzentrieren mit der mathematisch genauen Zählstruktur sehr negativ auf die Konstitution des jungen Mannes auswirkte. Bruckner wurde übersensibel und glaubte sich von seiner Umgebung nicht verstanden und geschätzt. Eine gewisse Schwermut, die angeboren sein dürfte, erfasste ihn und blockierte seinen sonstigen Lerneifer.

In dieser Periode der Niedergeschlagenheit wandte der sich jeder Autorität Hörige an den Wiener Hofkapellmeister Ignaz Aßmayer (1790-1862). Er machte die damals umständliche Reise nach der Hauptstadt der Monarchie mit dem Dampfschiff und legte Aßmayr, den er von einem Florianer-Besuch kannte, das Requiem und den vertonten 114. Psalm vor. Der vielbeschäftigte Hofkapellmeister, wahrscheinlich von der servilen Haltung und der ländlichen Aufmachung Bruckners negativ beeinflusst, hatte aber nur ein reserviertes Lob dafür übrig. Seine Enttäuschung darüber, das viele Geld, das er für die Reise ausgeben musste und die Missgunst mancher Mitbewohner im Stift arteten bei Bruckner in seelischen Depressionen aus.

Er fand seine Stellung als bedrückend untergeordnet. Man ließ ihn weiterhin am Dienertisch mitessen und nie am Ordenskandidatentisch, geschweige denn im Refektorium, was ihn sehr kränkte. Gerade beim Essen wollte er sich gehobener unterhalten.

Das ständig und fast angsterfüllte Streben nach sicherer Stellung, veranlasste ihn beim Bezirksgericht St. Florian von 1851-1853 aushilfsweise und unentgeltlich Schreiberdienste zu machen. Sein 1853 eingereichtes Gesuch um „hochgnädige Verleihung“ eines Gerichtspostens wurde abgewiesen. Er glaubte, wie Kattinger in Kremsmünster, neben dem Posten als Stiftsorganist eine sichere staatliche Stellung zu bekommen.

Ein schwerer Schlag war für Bruckner das am 24.März 1854 erfolgte Hinscheiden des ihm so wohlgesinnten Propstes Michael Arneth. Für die Leichenfeier komponierte er den Männerchor in As-Dur „Vor Arneths Grab“, ein Werk von weihevoller Stimmung, bei denen die drei Posaunen den feierlichen Charakter besonders hervorheben.

Bei der Einsegnung des Leichnams des hochverehrten Gönners erklang das von Bruckner zu diesem Anlaß geschaffene „Libera in F-Moll“ für fünfstimmigen gemischten Chor, Orgel, Streichinstrumente und drei Posaunen, das zu den reifsten Werken aus dieser Schaffensperiode gezählt werden kann.

Zum Nachfolger Arneths wurde nun als Propst der ehemalige Kanzleidirektor und Stiftspfarrer Friedrich Mayr gewählt. Er hatte seinerzeit Anton Bruckner von Kronstorf nach St. Florian berufen.

Zur Infulierung des neuen Propstes schrieb Bruckner die „Missa solemnis in B-Moll“ für Chor, Soli und großem Orchester und Orgel.

Die Messe wurde am 14. September 1854 mit allem Glanz aufgeführt. Wegen der Stifts-Etikette konnte es der ihm sonst wohlgesinnte neue Propst nicht wagen, ihn zur Festtafel einzuladen.

Ein herausragendes Ereignis für die Bewohner von Linz und den Orten entlang der oberen Donau war am 21. April 1854 die Ankunft der bayrischen Prinzessin Elisabeth, die mit dem Dampfschiff aus ihrer Heimat in Linz ankam. In Linz betrat sie als zukünftige Gemahlin von Kaiser Franz Joseph den Boden ihrer neuen Heimat. Zu diesem Anlaß schrieb Anton Bruckner eine Kantate für vierstimmigen Männerchor und Bläser „Laßt Jubeltöne laut erklingen“, die im April 1854 von der Liedertafel „Frohsinn“ aufgeführt wurde.

Im Herbst 1854 reiste Bruckner wieder zu Hofkapellmeister Ignaz Aßmayr nach Wien. Er wollte sich nun von ihm im Orgelspiel prüfen lassen. Nach Bruckners eigenem Bericht wurde ihm am Schluß der strengen Prüfung die Aufgabe gestellt, eine Doppelfuge zu improvisieren, welche er glänzend lösen konnte. Aßmayr stellte im Zeugnis vom 9. November 1854 sachlich fest, dass sich der Kandidat „als gewandter und gründlicher Organist erwiesen habe.“

Bruckners schulischer Ehrgeiz hatte noch immer keine Grenzen erreicht. Im November 1854 meldete er sich bei der K. K. Normal- Hauptschule in Linz zur Privatprüfung für „Lehrer im höheren Schulfach“ an. Am 25. und 26. Jänner 1855 konnte er alle Gegenstände mit sehr gutem Erfolg ablegen. Mit dieser Prüfung und dem Vorzugszeugnis war er als Lehrer für die damalige Hauptschule befähigt.

Im Frühjahr 1855 kam Robert Führer, ein namhafter Komponist von vielen Messkompositionen, nach St. Florian. Bruckner legte Führer seine Kompositionen vor und erbat ein Bewertung seines Orgelspiels. Sicher nicht unentgeltlich. Führer stellte ihm am 27. April 1855 ein Zeugnis aus, in dem er Bruckners talentreiches , fleißiges und geübtes Orgelspiel pries und seine Kompositionen rühmlich erwähnte. Diese Begegnung hatte etwas Wegweisendes für Bruckner. Führer empfahl ihm dringlich nach Wien zu Simon Sechter zu gehen, um die strengen musikalischen Regeln vollständig zu erlernen, die er bei mancher seiner Kompositionen noch vermisse.

Versehen mit seiner „Missa solemnis“ reiste Bruckner in den großen Ferien 1855 nach Wien zu Simon Sechter, um ihn zu bitten, sein Schüler werden zu dürfen. Sechter riet ihm zum Abschluß dieses Besuches, einen Posten in einer größeren Stadt anzunehmen, in der er sich mehr entfalten könne.

In Ebelsberg starb am 8. August 1855 seine blinde Tante. Sein Bruder Ignaz war nun in der Stiftsgärtnerei tätig. Die zwei Schwestern Josepha und Maria-Anna halfen der Mutter.

Wahrscheinlich auf den Rat Simon Sechters hin suchte Bruckner hinter dem Rücken des Propstes um die für Olmütz ausgeschriebene Organistenstelle an.

Sein schlechtes Gewissen zeigte sich, indem er den Kopf hängen ließ und dem Propst auswich. Propst Friedrich Mayr war aber mehr als überrascht und konnte sich nicht zurückhalten, dem jungen Mann energische Vorhaltungen zu machen. Der Traum nahm für Bruckner insofern ein Ende, da die Bewerbung fruchtlos blieb.

Am 9. November 1855 war der Domorganist von Linz Wenzel Pranghofer gestorben. Schon am 13. November war ein Probespiel zur provisorischen Besetzung der Organistenstelle ausgeschrieben worden. Die für den erkrankten Pranghofer aushelfenden Organisten Engelbert Lanz und Raimund Hain waren in engerer Wahl. Bruckner hatte es nach der Olmütz-Sache nicht gewagt sich anzumelden.

Der Linzer Orgelstimmer Alfred Just traf am Morgen des 13. November im Stift St. Florian ein , um routinemäßig nach den Orgeln zu sehen. Er vermutete Bruckner beim Wettspiel in Linz. Umso erstaunter war er, diesen in St. Florian anzutreffen. Er redete Bruckner so lange zu, nach Linz zu fahren, bis sich der Zaudernde im Florianer Alltagsgewand auf den nächstbesten Leiterwagen setzte und nach Linz fuhr. Bruckner begab sich zu seinem Lehrer Professor Dürrnberger und dieser nahm ihn nachmittags in den Alten Dom mit, in dem die Orgelprüfung abgehalten wurde.

Bruckner erwies sich als der weitaus bessere Spieler. Max Auer, der Bruckner-Biograph, berichtete: Nun endlich setzte er sich auf die Orgelbank, begann zuerst das Thema ganz einfach vorzutragen, dann lebte er sich immer mehr hinein, um schließlich mit einer grandiosen Fuge zu enden. Alle waren ergriffen und überwältigt. Lanz aber trat auf seinen alten Schulfreund zu, drückte ihm die Hand und sagte: ´Du bist der Tod aller´. Bruckner erhielt auf einstimmigen Beschluß der Prüfungskommission die provisorische Dom-Organistenstelle in Linz verliehen.

Die Befürchtungen Anton Bruckners, Propst Friedrich Mayr würde nicht zustimmen, erwiesen sich als unbegründet. Dem Wunsche des Bischofs wollte er sich auf keinen Fall widersetzen. Auch sah er selbst, dass Bruckner eine größere Aufgabe und Veränderung guttun würde.

Mit einem „Festgesang“ für vier Stimmen und Klavierbegleitung zum Namenstag des Stiftspfarrers Jodok Stülz am 6. Dezember 1855 verabschiedete sich Anton Bruckner musikalisch von St. Florian.

Am 8. Dezember 1855, dem Marienfeiertag, spielte er zum ersten Male beim Hochamt im Alten Dom.

Er wohnte vorläufig im Florianer- Stiftshaus auf der Landstraße in Linz.