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Der musikalische Neubeginn in Ansfelden

 
 

Die Entwicklung vom Jugend- zum Kirchenchor von 1946 bis 1951

 
 

von Johannes Paulmair

 
     
 

 
     
 

"Selig sind die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden." Diesen Satz aus der Bibel nahm Johannes Brahms, dessen 100. Todestag wir 1997 gedenken, als Leitmotiv für sein "Deutsches Requiem". Nichts könnte die Aufgabe der Kirchenmusik in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg besser ausdrücken.

Ein unmenschliches Regime hatte es den christlichen Kirchen vielfach unmöglich gemacht, die Kirchenmusik zu pflegen und große Lücken in die leitenden Positionen gerissen. So kehrte auch in Ansfelden der Lehrer und Organist Karl Angerer sowie der Kapellmeister der Musik Gottfried Paulmair mit vielen anderen aus dem Kriege nicht mehr heim. Eine kleine, bewährte Gruppe ließ trotzdem die Kirchenmusik nicht untergehen. Maria Angerer spielte treu und verlässlich bis 1959 die Orgel, an der schon Anton Bruckner geübt hatte.

Zum kleinen Chor, der Festtage, Maiandachten und Begräbnisse verschönerte, gehörten die Damen Johanna Ecklbauer, Resi Frey, Liesl Walterer, Resi Prechtl, Anna Huber, Margarethe Ecklbauer und die Herren Leopold Ecklbauer, Franz Furthmayr und Julius Radlmüller.

Wie aber sollte es weitergehen? Der Pfarrhof Ansfelden, dieser herrliche Carlone-Bau, wurde in zweifacher Hinsicht zur musikalischen Drehscheibe für die Zukunft. Als die Amerikaner am 7. Mai 1945 Ansfelden besetzten, beschlagnahmten sie ausgerechnet die drei kleinen Häuser an der Himmelreichstraße Paulmair, Pechmann und Schreil, wahrscheinlich nicht wegen des ja gar nicht vorhandenen Komforts, sondern wegen des in der Nähe befindlichen Gefangenenlagers. Innerhalb zweier Stunden mussten wir die Häuser räumen. meine Familie (9 Personen) fand Unterschlupf im Pfarrhof. Der gütige Pfarrer Johann Schück stellte uns das jetztige Pfarrheim zur Verfügung, das damals in drei Räume unterteilt war. Während der drei Monate, die wir dort als Flüchtlinge im eigenen Heimatort verbrachten, dachte ich auch darüber nach, wie die Jugend sich wieder zu einer Gemeinschaft zusammenfinden könnte, nachdem die aufgezwungenen Ideale der NS-Zeit zerbrochen waren. Noch am Ende des Jahres gründete ich die Pfarrgruppe der Katholischen Jugend. 1946 spielten wir bereits Theater im Gasthof Dietinger/Hofstetter, hatten eine Fußballmannschaft zusammengestellt und trafen uns zu monatlichen Heimstunden im Pfarrhof. Dabei wurde natürlich auch gesungen, zuerst einstimmig aus dem Liederbuch "Singende Jugend" und dann mit den Besten auch mehrstimmig.

Das Liedmaterial holten wir uns aus dem neuen Behelfsdienst der Diözese in Linz. Jetzt lag es natürlich auch auf der Hand, den Kirchenchor neu zu gründen und mit jungem Blut zu füllen. Dafür brauchten wir aber einen musikalischen Leiter. Wieder war es Pfarrer Schück, der ganz ungewollt Regie führte. Er nahm nämlich 1947 eine Flüchtlingsfamilie aus dem Sudetenland in den Pfarrhof auf, und so schenkte uns der Herrgott in Ing. Fritz Burri den ersehnten Chorleiter, der noch dazu seine Töchter Renate und Brigitte (Altstimmen) mitbrachte. Aus unserem bisherigen Jugendchor, der hauptsächlich bei Betsingmessen tätig war, konnte ich ihm 25 (!) sehr sangesfreudige Mädel und Burschen übergeben.

     

Jetzt ging es erst richtig los! Wir lernten als erstes geistliches Werk die "Messe in G" von Max Filke und zur Auflockerung auch Volkslieder. Zwei davon, nämlich "Sandmännchen" und "Wann i a Musi hör" sangen wir 1947 beim Kremstaler Jugendfest in Kirchdorf und errangen damit den 3. Preis.

Es würde zu weit führen, alle Ereignisse und Werke anzuführen, die wir in den kommenden Jahren mitgestalteten und in regelmäßigen Proben erlernten. Drei Persönlichkeiten muß ich aber erwähnen. Im Jahre 1949 leitete der Lehrer Cornelius Mayr, gebürtig aus St. Magdalena, den Chor. Höhepunkt war die Glockenweihe am 4. Dezember, die gerade von uns Kirchenmusikern als echte Friedensbotschaft begrüßt wurde.

Wir bekamen außerdem mit Frau Helene Holzner eine nimmermüde Organistin und mit Konzertmeister Johann Bleilinger den ersten Orchestermusiker. So durfte ich als Abschluß und Höhepunkt meiner Tätigkeit für den Chor 1951 das Singspiel "Waldvöglein" für Chor, Pianino und Streichquartett inszenieren, das von den Besuchern so begeistert aufgenommen wurde, daß es auch auswärts aufgeführt werden mußte.

Der Wiederaufbau war gelungen und hat später, wie die folgenden Zeitabschnitte beweisen, immer größere Erfolge und damit verbundene Freude gebracht. Bei meinem Abschied 1951 von Ansfelden blieb mir als Trost, daß ich von der Wiege zum Grabe Anton Bruckners nach St. Florian übersiedeln und am Allerheiligentag zum erstenmal im Stiftschor mitsingen durfte. Viva la musica!