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Kronstorf

 
     
 

 
 

Kronstorf: Alte Schule, Kirche

 
     
  1843-1845:  
     

Nach der harten Zeit im landschaftlich rauen oberen Mühlviertel fühlte sich Anton Bruckner in Kronstorf nach eigenen Worten: “Wie im Himmel“.

Das Dorf zählte zu Bruckners Gehilfenzeit etwas über einhundert Einwohner. Es war für Bruckner nur wenige Gehstunden von St. Florian und Ebelsberg entfernt. Hier war Bruckners engere Heimat, hier waren Menschen, mit denen er sich sogleich verstand.

Schulleiter war Franz Seraph Lehofer, der mit 14 Jahren einen viermonatigen Gehilfenkurs in Linz machte und seinem Vater nachfolgte. Er wurde wegen seines Brustleidens von einem Gehilfen unterstützt, und zwar von Anton Bruckner.

Propst Michael Arneth hatte den jungen Schulgehilfen hierher verordnet, auch deshalb, weil der freundliche Schulmeister Lehofer (1798-1866) von der Musik viel verstand. Im einstöckigen Schulhaus stand im Stockwerk ein Schulraum von etwa zwanzig Quadratmetern zur Verfügung. Eine schmale und steile Holztreppe führte zum Klassenraum, neben dem sich eine kleine Kammer für den Schulgehilfen befand. Man kann sie heute noch vorfinden. Mit Bedauern konnten der Schulmeister und seine Frau Theresia dem neuen Gehilfen nur diesen Raum von etwa sechs Quadratmetern zur Verfügung stellen, der mit Bett, Tisch und schmalem Kasten schon so voll war, dass man sich darin kaum umdrehen konnte.

Bruckner erfuhr in Kronstorf eine fürsorgliche Behandlung und lobte die Kochkunst der Schulmeisterin, die ihm manchmal sein Leibgericht „G´selchtes mit Grießknödel und Kraut“ und auch Bauernkrapfen machte.

Anfänglich waren die Bezüge zwar dieselben wie in Windhaag, doch bald stiegen sie auf 20 Gulden jährlich bei freier Kost und Wohnung. Mit Freude konnte er seiner Mutter nun eine Unterstützung zukommen lassen.

Die Menschen waren hier genussfreudiger und kunstbedürftiger als im nördlichen Mühlviertel. Viele Schulkinder kamen von den umliegenden großen Bauernhöfen, den Vierkantern, von denen jeder inmitten fruchtbarer Felder und Wiesen liegend, ein stolzes Gut darstellte. In dieser Gegend waren schon immer mehr unabhängige und selbständige Bauern und man sprach vom „Bauernadel“ in der Gegend um St. Florian, auch deshalb, weil immer mehr adelige Güter in bäuerliche und bürgerliche Hände übergingen.

Bruckner wurde gleich in das Ortsleben einbezogen und lebte auf beim vertrauten Kegelschieben und beim winterlichen Eisstockschießen. Der nahe Ennsfluß bot im Sommer Badefreuden. Bruckner war ein begeisterter Schwimmer.

Den Kindern gefiel der neue Lehrer auch wegen der Musik sehr, und bald wurde er in die nahegelegenen Höfe zum Musizieren eingeladen. Besonders gern kam Bruckner in das „Groißmayrgut“, eine halbe Gehstunde außerhalb Kronstorfs im Ortsteil Stalbach gelegen, das dem musikliebenden Michael Födermayr gehörte.

Bald nach dem Dienstantritt Anton Bruckners als Schulgehilfe wurden die Kronstorfer auf dessen Orgelspiel aufmerksam und belauschten Bruckner oft bei seinen Proben, die er an der Orgel vor dem sonntägigen Pfarrgottesdienst abhielt.

Michael Födermayrs leihweise überlassenes Klavier wurde im Klassenzimmer aufgestellt. Bruckner spielte darauf oft so lange, bis alle Lichtquellen versiegten.

In Enns wirkte Leopold Edler von Zenetti (1805-1892) als Regens-Chori und Organist. Der talentierte Musiker war Bruckner von den Ordensfesten in St. Florian bekannt, bei denen Zenetti als Cellist aushalf. Zenetti, der auch Violine, Klavier und Orgel ausgezeichnet spielte und der auch komponierte, war als „erpichter Mozartianer“ bekannt. Bruckner vertraute sich ihm für die musikalische Weiterbildung an. Dreimal wöchentlich wanderte der Schulgehilfe den für jede Strecke eineinhalb Stunden dauernden Fußmarsch nach Enns. Hier wurde er mit der Generalbasslehre von Daniel Gottlieb Türk und dem „Wohltemperierten Klavier“ von Johann Sebastian Bach mit seinen 48 Präludien und Fugen geschult. Daneben studierte er auch die vierstimmigen Choräle des Thomas-Kantors und die von Zenetti selbst komponierte Messe in C, für die er eine besondere Vorliebe zeigte.

Von der herrlichen Chrismann-Orgel in der Stadtpfarrkirche zu Steyr hörte Anton Bruckner von mehreren Seiten. Die sollte er unbedingt einmal kennenlernen und darauf spielen. Sie habe 999 Pfeifen und 26 Register. Nun musste er doch den noch weiteren Weg nach Steyr machen. Er erbat sich ein Empfehlungsschreiben des Kronstorfer Pfarrers Alois Knauer an den Herrn Stadtpfarrer von Steyr Joseph Plersch. Vom Stadtpfarrer freundlich aufgenommen, erlebte der junge Mann herrliche Stunden beim Orgelspiel.

Bruckner begegnete in Steyr Karoline Eberstaller, die schon mit Franz Schubert bei seinem Steyrer Aufenthalt vierhändig gespielt hatte. Sie führte Bruckner im Vierhändigspiel in die Wunder der romantischen Harmonik Franz Schuberts ein. Diesen Musiker auf diese Weise kennenzulernen, war eine Geschenk des Himmels für ihn.

Von Kronstorf aus kam Bruckner häufig nach St.Florian. Im Jahre 1845 komponierte er eine Chorkantate mit dem Titel „Vergissmeinnicht“ für einen achtstimmigen gemischten Chor, die er dem Kanzleidirketor des Stiftes St. Florian, dem Chorherrn Friedrich Mayr, zueignete.

In Kronstorf schrieb Bruckner einige Werke zur Karwochenliturgie, unter anderem eine vierstimmige Choralmesse für den Gründonnerstag, jedoch ohne Kyrie und Gloria.

Auch entstand die „Kronstorfer-Messe“ ohne Gloria für vierstimmig gemischten Chor.

Über die Gesangsstimmen dieser bisher ausgedehntesten seiner Kompositionen schrieb Bruckner, wie so manche Meister der früheren Zeit, die Buchstaben O.A.M.D.G (Omnia
Ad majorem Dei gloriam/ Alles zur größeren Ehre Gottes).

Das beste Kronstorfer Werk wurde ein „Tantum ergo“ in D-Dur, ein Hymnus auf das Altarssakrament, welches vor und nach der Segenserteilung gesungen wird. Diese Komposition zeigt deutlich den Einfluß, den die Kenntnis Schubertscher Musik auf den Werdenden ausübte.

Am 25.Mai 1845 bestand Anton Bruckner die Konkursprüfung in Linz, die jeder Gehilfe nach einer Verordnung abzulegen hatte, wollte er eine Schulmeisterstellung erreichen.

Die Prüfung für Musiktheorie und für das Orgelspiel nahm sein ehemaliger Lehrer Johann August Dürrnberger vor. Bruckner erzählte selbst, dass sein alter Professor „ganz außer sich war“ über seine kontrapunktisch streng gehaltenen Ausführungen und ihm in allen Fächern die „erste Note mit Vorzug“ gab. Schon in dieser Zeit offenbarte sich seine Genialität im Orgelspiel.

Der Chorherr und Kanzleidirektor des Stiftes St. Florian Friedrich Mayr, später Propst des Stiftes in der Zeit von 1854-1858, vergaß ihn auch nicht und holte Bruckner nach der bestandenen Prüfung im September 1845 als „systemisierten Schulgehilfen“ nach St. Florian.

Nun hatte er eine gesicherte Stellung errungen und konnte in der Stätte wirken, die für ihn die begehrenswerteste war.

 
     
 

 
 

Kronstorf: Gedenktafel am alten Schulhaus