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Hörsching

 
     
 

    

 
     
  1835-1836:  
     

Vater Bruckner spürte die immer mehr hervortretenden musikalischen Talente seines Sohnes. Er fühlte sich neben den vielen Diensten aber überfordert, ihm weiterhin aufbauenden Unterricht geben zu können und bat den ihm musikalisch weit überlegenen Vetter in Hörsching, den kleinen Anton zu sich zu nehmen und ihm neben der Schule Musikunterricht zu erteilen.

Johann Baptist Weiß, geboren am 14.Mai 1814, war der Sohn des Joseph Weiß in Hörsching, der 1802 die erst 16 jährige Schwester Vater Anton Bruckners als 29 jähriger Schulgehilfe geheiratet hatte. Von den zehn aus dieser Ehe entsprossenen Kindern war nun J. B. Weiß als Nachfolger des Vaters Schulmeister in Hörsching.

Schon ein Bruder von Vater Weiß im Stift Wilhering bei Linz galt als phänomenaler Orgelspieler, der selbst auf den größten Orgeln Wiens konzertiert hatte.

Dieselben Fähigkeiten besaß nun auch sein Neffe und wenn er gelegentlich auf den Chor des Alten Domes zu Linz kam, so wurde berichtet, trug ihm der dortige Domorganist und damals berühmte Kirchenmusiker Johann Baptist Schiedermayr (1779-1840) an, die Orgel zu spielen, mit den Worten: “Wenn ein Weiß da ist, bleibt ein Schiedermayr nicht auf der Orgel sitzen.“

Der junge Bruckner wurde im Frühjahr 1835 im Schulhaus zu Hörsching liebevoll aufgenommen und von den beiden Schwestern des unverheirateten Schulmeisters, seinen Basen, fürsorglich betreut.

Auf der Orgel zeigte der junge Schüler zunächst durch die Begleitung eines Fastenliedes sein Können, wobei er so geschickt das Pedal gebrauchte, dass sein Vetter ihm vor Freude dafür einen „Groschen“ (Drei-Kreuzer-Münze) gab. In einem Brief des alten Meisters vom 10.September 1895,ein Jahr vor seinem Tod, an den späteren Probst von Mattighofen im Innkreis Ernst Lanninger, betonte er u. a., dass er in Hörsching die ersten Anfänge des wirklichen Orgelspiels erlernt habe. Den sicheren Grund bot das Erlernen des Generalbasses, das Ausführen der Akkorde nach der Bezifferung.

Er wohnte im alten Schulhaus, das damals zwei Klassen beherbergte und besuchte weiter die in Ansfelden begonnene Volksschule.

Johann Baptist Weiß war ein großer Verehrer der alten Meister, besonders von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart.

Weiß war auch Komponist. Er führte den Knaben gründlich in die wichtigsten Gebote der Satzkunst ein und verwendete dafür auch eigene Werke, darunter die 1832 vollendete Messe in G-Dur und sein Requiem in Es-Dur. Gerade sein Requiem berührte den Knaben sehr und wurde zum Vorbild für spätere eigene Kompositionen.

In Hörsching entstanden die ersten kleinen musikalischen Versuche und Arbeiten, darunter vier Präludien in Es-Dur für Orgel und ein im Satz zwar noch fehlerhaftes „Pange linqua“ (Eucharistie-Hymnus „Preise Zunge das Geheimnis“.) für einen vierstimmigen Chor á-capella in C-Dur, das der Meister im Jahre 1891, fünf Jahre vor seinem Tode, als Vermächtnis aus dieser Zeit, verbesserte.

Eine kleinere Arbeit aus Hörsching in Form eines säuberlich geschriebenen Schulheftes mit den „Kurzen Generalbaß-Regeln“ wurde später aufgefunden.

Immer wieder bat der Junge seinen Lehrer um Beispiele der großen Werke der Wiener Klassik und war ganz begeistert von den Seiten aus der „Schöpfung“, mit denen sein Vetter das Chaos, also die Stelle bevor der Herr die Welt erschaffen hat, spielte und sang. Er spürte förmlich das Durcheinander und dann das „Es werde Licht...!“ Zuerst die Tiefe und dann der leuchtende C-Dur Akkord. Und erst der C-Dur-Dreiklang, „der ist ja wie im Himmel“!

J. B. Weiß erklärte dem wissbegierigen Schüler den Aufbau der wichtigsten Musikformen. Er hörte von den Chorälen, Sonaten, Quartetten, ja Sinfonien und von den Großen der Musik wie Johann Sebastian Bach, Händel, Albrechtsberger, den Haydn-Brüdern, von Beethoven und Schubert. Wenn der Vetter von Mozart sprach, verklärte sich sein Gesicht, da man ein solches Phänomen nur erahnen und nicht erklären kann.

Die Aufführungen von Mozarts „Großer Fugenmesse in C-Moll“ (KV 427) und Joseph Haydns „Die Sieben Letzten Worte Unseres Erlösers am Kreuze“ blieben fest in seinem Gedächtnis.

Johann Baptist Weiß hatte seinen Neffen, den er liebevoll „Prinz Schnudi“ nannte, wie einen eigenen Sohn ins Herz geschlossen. Für den Buben wurde diese Zeit zu einem prägenden Erlebnis.

Auf der Orgel spielte der nun Zwölfjährige mit leidenschaftlicher Hingabe Kadenzen und versuchte sich schon in längeren Improvisationen, die er bei seinem Lehrmeister so bewunderte. Bei einer Fastenandacht konnte der Knabe das Lied „Laß mich deine Leiden singen“ begleiten.

Einige Orgelpräludien in Es-Dur von ihm stammen aus dieser Zeit.

Weiß empfahl den Eltern, den Buben ausbilden zu lassen. Vielleicht in St. Florian, vorerst als Sängerknaben.

Ende Dezember 1836, mitten in einer glückhaften Periode im Leben des aufgeweckten Knaben, fand Antons Aufenthalt in Hörsching ein jähes Ende durch die Nachricht von der schweren Erkrankung seines Vaters in Ansfelden.