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Die mächtigen Vierkanter

 
 

 

 
  Eine der eindrucksvollsten Bauernlandschaften Österreichs, ja Europas, ist Oberösterreichs Viertel der Vierkanter. Der renommierte Volkskundler und langjährige Direktor des OÖ. Landesmuseums, Franz C. Lipp, nannte es die „Herzkammer Österreichs“.  
     
  Zwischen Steyr, Enns, Wels und Linz, im oberösterreichischen Städteviereck, breitet sich das Vierkantergebiet aus. Im Osten ragt es tief ins niederösterreichische Mostviertel über Amstetten hinaus bis Melk, im Norden greift es stellenweise über die Donau weit ins Mühlviertel hinauf bis in den Raum von Kefermarkt und Königswiesen, nach Westen franst es bis zum Mündungsgebiet der Großen Mühl und zur Ager aus.
Die Hauslandschaft der Vierkanter hat erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert die Ausformung erhalten, in der sie sich heute präsentiert. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es nur wenige Bauernhäuser, die sich schon so regelmäßig darstellten. Ihre Bauweise orientierte sich zweifellos am Vorbild der Klöster und Schlösser, waren sie doch häufig selbst klösterliche und adelige Meierhöfe. Im 19. Jahrhundert wurde erst die regelmäßige und geschlossene Form hergestellt, wurden Holzwände durch Mauerwerk ersetzt und zuletzt häufig auch ein Obergeschoß aufgesetzt.
Die Vierkantform wurde gebildet, indem gegenüberliegende kleinere und nur erdgeschoßige Häuser an den freien Seiten durch Bretterwände, so genannte Lorwände, abgeschlossen wurden. Die großen, stattlichen Vierkanter der Florianer Gegend wurden meist nach 1840 und in einzelnen Fällen ab etwa 1770 erbaut – bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden es dann immer mehr. Diese Form wurde so verinnerlicht, dass im Bewusstsein vieler Bauern erst mit dem in einem durchgehend firstgleichen Viereck „eingefangenen“ Hof ein vollständiges Bauernhaus erreicht schien.
 
     
  Vollkommene Form  
  Die verbauten Flächen wurden erheblich ausgedehnt, und man war auch bestrebt, die Regelmäßigkeit und Vierkantform zu vervollkommnen. Die Kleinbetriebe im Vierkantergebiet hingegen erreichten selten eine Vierkantform, blieben Streck- und Hakenhöfe, nicht voll geschlossen.
Bei einer Erklärung der Entstehung des Vierkanthofes ist die Verbindung mit dem Drei- und Vierseithof sowie verschiedenen Einspringerformen zwar recht augenscheinlich. Vierseithofformen umgeben das Vierkanthofgebiet Oberösterreichs nach allen Himmelsrichtungen.
Der Vierkanter hat aber, anders als etwa der Mühlviertler Einspringhof, der Dreiseithof, das alpine Mittertennhaus oder der ost-österreichische Streckhof, keine ausgeprägte Schauseite. Er präsentiert sich von allen vier Seiten mit gleichartigen mächtigen Fensterfronten und Toren. Primär ist er nicht für den Dorfverband, sondern für das Streusiedelland konzipiert und thront herrschaftlich mitten in der Landschaft.
Der Bauforscher und Vierkant-Enthusiast Rudolf Heckl sah das Charakteristische der Vierkanter in der „burgähnlichen“ und „kristallisch vollendeten“ Form, als Ergebnis des bäuerlichen Strebens, den Hof als Einheit zu präsentieren, „Wohnhaus, Stall, Stadel und Schuppen nicht mehr getrennt in Erscheinung treten“ zu lassen.
Bauernadel könnte man sagen, Bauernkapitalisten vielleicht auch, Herrenbauern sicher. Es sind immer wieder die gleichen Namen, die in Besitzgeschichten aufscheinen, ein Netz von Heiraten, Erbschaften, Adoptionen und Kaufverträgen verbindet und charakterisiert die Höfe. Allerdings: Es ist keine typische Erbhoflandschaft. Es gibt kaum Jahrhunderte übergreifende Vererbungen in männlicher Linie. Erbhöfe im Sinne langer familiärer Kontinuitäten im Mannesstamme sind in der Vierkanterregion selten. Die Höfe wurden verkauft, vertauscht, durch Adoption übergeben, vererbt, und immer wieder trifft man auf Töchter, die Höfe übernommen haben oder mit in die Ehe nahmen.
Die Übergabe- und Ausgedingeverträge aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind wahre Kunstwerke notarieller Genauigkeit und Spitzfindigkeit. Vergessen wurde wirklich nichts, was für die Sicherung des Altenteils der Übergeber von Belang sein konnte. Häufig wurden die Höfe verkauft, die Alten zogen sich in Stadtwohnungen zurück.
Vierkanthofbauern waren „Hörndl“- und „Körndl“-Bauern. Gewölbte, geräumige Ställe waren ihr Stolz. Auffallend war vor allem die Größe der Pferde- in Relation zu den Rinder-ställen, etwa im Verhältnis zwei zu eins: Auf zwölf Rinder kamen sechs Pferde. Bis zum Einsetzen der Dampfschifffahrt auf der Donau wurden in der Vierkanterregion auch die schweren Schiffszugpferde großgefüttert.
Bereits 1887 veranstaltete die k.k. Landwirtschaftsgesellschaft Oberösterreich einen Architektenwettbewerb über moderne Bauernhäuser. Die Kritik galt dem Vierkanter, weil er feuergefährlich und „unschön“ sei. Ferner sah man überdurchschnittlich viel Kapital gebunden.
Heute haben die betriebswirtschaftlichen Erfordernisse der modernen Landwirtschaft die riesigen Vierkanter zu einer erheblichen Belastung gemacht. Die einstmals gesinde- und kinderreichen Höfe werden von einer einzigen Arbeitskraft oder gar im Nebenerwerb bewirtschaftet. Viele sind inzwischen viehlos. Für die Unterbringung der Maschinen sind die Stall- und Speicherräume nicht geeignet. Die Durchfahrten sind zu niedrig, die Innenhofräume zu groß.
 
     
  Der Faktor Erhaltung  
  Es ist nicht einfach, für die majestätischen Gebäude eine adäquate Verwendung zu finden, die geeignet ist, an den riesigen Erhaltungskosten mitzutragen und damit diese wichtigsten Zeugen bäuerlicher Kultur zu erhalten hilft.
Die gravierende Umgestaltung der Wirtschaftsgebäude hat in vielen Fällen zur Beeinträchtigung oder Zerstörung der typischen Hoflandschaft geführt. Es gibt aber auch gelungene Beispiele einer wirtschaftlich bedingten, aber adäquaten Umgestaltung und von neuen Funktionen in Verbindung mit einer liebevollen Bewahrung des Baubestandes: Vermietung, Gäste- oder Seminarräume etc. können aber auch nur in kleinem Maß zur Lösung beitragen.
 
     
  Aus den O.Ö.Nachrichten vom 22. März 2008 von Bauforscher, Vierkant-Enthusiast Rudolf Heckl.