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Ansfelden

 
     
 

 
     
  1837:  
     
Wieder in seinem Geburtsort musste der Junge den Vater in der Schule und im Kirchendienst unterstützen.

Die Welt brach für ihn fast zusammen, als er den kranken Vater sah, die verzweifelte Mutter und seine vier kleinen Geschwister.

Unablässig war des Vaters Tätigkeit in Schule und Kirche in der Sorge um seine Familie. Die knappen Einkünfte als Lehrer, Mesner und Organist reichten kaum für die vielköpfige Familie.

Die Faschingszeit und manche Familienfeste waren, wie auch schon Jahre vorher, eine Möglichkeit, durch das „Tanzl-Geigen“ zusätzlich etwas zu verdienen. Ganze Nächte hindurch musste er bei angeschlagener Gesundheit aufspielen. Zwar versuchte man seine oftmalige Erschöpfung und Müdigkeit durch helfende Stimulanzen zu überwinden, aber die aus Wohlwollen gereichten Mittel untergruben immer mehr seinen Zustand.

Der neu eingestellte Schulgehilfe Joseph Peintner teilte sich nun mit ihm die große Zahl der Schüler.

Schließlich ergriff Vater Bruckner ein „schleichendes Nervenfieber“. Immer öfter musste der Vater das Bett aufsuchen und Tonerl ihn vertreten. Auch als Mesner, zeitlich früh.

Der Dreizehnjährige wurde hart mit dem Leben konfrontiert.

Schließlich warf die Todeskrankheit den Vater ganz nieder. Sechs Wochen kämpfte seine Lebenskraft noch gegen die Tücken der Krankheit, bis eine Lungenentzündung zur Auflösung führte.

Am 7.Juni 1837 war Vater Bruckner, 46jährig, der Lungensucht und Auszehrung erlegen. Obwohl ein neuer Friedhof in Ansfelden etwas außerhalb des Ortskernes angelegt wurde, hat man das Grab des Vaters von Anton Bruckner gleich neben der Kirche belassen.

Theresia Bruckner stand nun mit dem 13jährigen Anton, der 8jährigen Rosalia, der 7jährigen Josepha , dem 4jährigen Ignaz und der einjährigen Maria-Anna ohne Brotgeber da.

Zum Glück hatte der Vater auf Mutters Zureden noch rechtzeitig beim Witwenfond des Lehrerversorgungsvereins in Linz eingezahlt. Ansonsten wäre das Los der armen Frau noch viel trauriger geworden.

Von den eigenen Verwandten konnte sie nichts mehr erwarten. Nur ihr Vetter Anton Helm aus Sierninghofen bei Neuzeug pflegte noch Kontakte mit der Familie Bruckner.

Zu Pfarrer Josef Seebacher, der von 1835-1848 Vikar in Ansfelden war, hatten sie kein so vertrauliches Verhältnis, wie zum väterlichen Pfarrer Grabmer.

Noch am Todestage brachte die in schweren Zeiten unglaublich über sich hinauswachsende Frau die Kraft auf, mit Anton zum Propst Michael Arneth nach St. Florian zu gehen. Sie bat den hohen Geistlichen, den Buben, der noch über eine schöne Sopranstimme verfügte, als Sängerknaben aufzunehmen. In dem vom Ortspfarrer erbetenen vermeintlichen Empfehlungsschreiben war aber an Stelle einer Empfehlung darauf verwiesen, dass die Mutter „ohnehin reiche Verwandte“ habe.

Der Propst, der die Verdienste der Schullehrer Bruckner kannte und schätzte, versprach sofort, den Sohn in das Stift als Sängerknaben aufzunehmen.

Anton kehrte für kurze Zeit nach Hörsching zurück.

Die Geschwister Weiß taten alles, um das Schicksal des Buben zu erleichtern.

Genau ein Monat nach dem Tod des Vaters, am 7. Juni 1837, war die Verlassenschaftsverhandlung in Ansfelden.

Dabei war auch Franz Seiler (Sailer) als Gerichts-Aktuar vom Stifts-Gericht St. Florian. Er sollte noch im Leben Antons eine besondere Rolle spielen.

Der genaue Akt der Verhandlung liegt noch vor. So waren u. a. in der Stube ein Klavier und vier Geigen. Der Gesamtwert des Inventars betrug 176 Gulden und 53 Kreuzer. Dazu kamen Barschaft und Gelder für den Mesnerdienst, sodaß sich der Aktivstand auf 206 Gulden und 26 Kreuzer belief. Diesem Aktivstand standen aber Schulden von 181 Gulden und 26 Kreuzern gegenüber. Es blieben demnach 25 Gulden. Für die Kosten der Abhandlung musste die Mutter 15 Gulden und 22 Kreuzer bezahlen.

Theresia Bruckner war genötigt, vieles von der Einrichtung zu verkaufen, um die Schulden abdecken zu können.

Der nachfolgende Lehrer, Josef Hametner, beanspruchte die Wohnung. Mitte Juli 1837 war der Umzug. Was blieb, wurde auf Leiterwagen geladen und nach dem etwa 7 km entfernten Ebelsberg gebracht. Sie konnten beim Schmied, gegenüber dem Gasthaus „Zum Bock“ ein Unterkommen finden. Die Familie des Pflegers von Ebelsberg half der Mutter so gut es ging.

Eine Unterstützung bekam die besorgte Theresia Bruckner von der „Mutter Plaß“ vom Hofe „Maier in der Tann“ in Ansfelden, deren Sohn seinerzeit ihr Brautführer war und nun bei der Verlassenschaftsverhandlung als Schätzmeister fungierte.

Für den Unterhalt der Kinder erhielt die Mutter pro Woche 13 Kreuzer vom Witwenfond, von der Pfarre Ansfelden 8 Kreuzer für Ignaz bis zu seinem 13. Lebensjahr und „für Jed´s von de drei Madl´n „ ,erinnerte sich der alte Meister, „bis zu ihrem 12.Jahr zwei Kreuzer wöchentliche Unterstützung.“

Die Mutter musste schon bei Lebzeiten ihres Mannes für fremde Leute Garn spinnen und war froh, Butter und ein paar Eier zu bekommen.

In Ebelsberg war sie nun gezwungen, sich als Helferin und Wäscherin zu verdingen. Die bescheidenen Zuwendungen hätten nicht gereicht.

Anton, zurückgekehrt aus Hörsching, verbrachte noch acht Tage in Ebelsberg. Er litt mit seiner über alles geliebten Mutter und nahm sich vor, sobald wie nur möglich, sie zu unterstützen. Die „Jungfer Tant“ bemühte sich trotz ihrer Behinderung rührend um die Kinder, während die Mutter arbeitete. Die Tante hatte Anton sehr ins Herz geschlossen und gab ihm immer den Kosenamen „Loipperl“.

Anton kam nun nach St. Florian. Es war dies einer der besonderen Glücksfälle seines Lebens.